Foto: © Niki Schreinlechner | www.nikischreinlechner.at

Graz | Innere Stadt

Das große Leid – Was uns das Landplagenbild erzählt

„1480 umb unser frauntag der schiedung (15. August) sind hie zu Gratz gotesplag drey gewesen, haberschreckh, türken u. pestilenz u. jede so groß, dass dem menschen unerhörlich ist. Gott sei uns gnädig.“

Dies sind die berührenden Worte unter einem unheimlich anmutenden Bild. Kreuze und Särge sind darauf auszumachen, ein Kranker wird versorgt, auf den Knien Flehende, finstere Gestalten. Dieses Werk an der Fassade des Grazer Doms ist heute als „Landplagenbild“ bekannt. Es wurde von Thomas von Villach geschaffen und 1485 von den Bürgern gestiftet. Abgesehen davon, dass dieses Votivbild eine der ältesten Ansichten von Graz darstellt, macht es deutlich, in welcher Furcht die Menschen einst lebten.

Die Katastrophen brachen im 15. Jahrhundert fast gleichzeitig herein. Baumkirchners Kopf war gerade erst durch die Murgasse gerollt (1471), schon standen die Türken vor der Tür. In elf Jahren überrannten sie zehn Mal das Land. Tausende wurden ermordet, „Renner und Brenner“ fackelten Höfe und Ortschaften ab. Dann noch die Auseinandersetzung mit Mathias Corvinus, dem König von Ungarn, der über Deutschlandsberg, Pettau und Leibnitz herfiel.

Doch die Not der Bevölkerung war nicht auf Schlachtfelder begrenzt. 1480 vernichteten Wanderheuschrecken die Ernte und Starkregen verursachten Überschwemmungen und Murenabgänge. Eine Hungersnot brach aus. Krankheiten verbreiteten sich, noch dazu die schlimmste aller – die Pest.

Was immer sich die Stifter erhofft hatten, ein Ende des Leids brachte das Landplagenbild nicht. 1486 trat die Mur über die Ufer, 1489 zerstörten Unwetter 80 Prozent der Ernte und der Kaiser erhöhte die Steuern, weil er Geld brauchte, um gegen Corvinus zu kämpfen. Erst als dieser 1490 das Zeitliche segnete, kehrte Ruhe ein. Doch keine 20, 30 Jahre später erhoben sich die Bauern im Ennstal und es gab Gerüchte von einem neuen Glauben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Info: Das Landplagenbild ist ein Fresko, das sich an der südlichen Außenwand des Grazer Doms befindet. Ein Klimakasten schützt das Bildnis vor dem Zerfall, durch das Glas ist es wegen der Spiegelungen nun aber tagsüber schwer zu fotografieren.
Burggasse 3, 8010 Graz

Text: Robert Preis | www.robertpreis.com

Buchtitel: „111 schaurige Orte in der Steiermark die man gesehen haben muss!

Verlag: Emons