Foto: © Niki Schreinlechner | www.nikischreinlechner.at

Kindberg | Herzogberg

Der Fall Trojacek – Eine Festnahme, die völlig eskalierte

30. Dezember 1978: Es lief gerade Schispringen im Fernsehen, als eine Schießerei wie in einem Wild West Film entbrannte. Die Gendarmerie hatte den Hinweis erhalten, dass sich hier in einem Bauernhof in Herzogberg ein gewisser Rupert Trojacek befinden sollte, ein Betrüger, und Waffennarr. Zur Überprüfung der Identität standen nun drei Beamte in Zivil einem bärtigen Mann gegenüber, der in der Unterhose auf dem Sofa lag. Er heiße Anton Billina sagte dieser, langte in eine Tischlade um seinen Ausweis hervorzuholen. Doch stattdessen hielt er plötzlich eine Pistole in der Hand und schoss.

Schwer verletzt rettete sich der Beamte Jakob Ehrenreich aus dem Haus ins Freie. Seine beiden Kollegen versuchten ebenfalls zu fliehen, hatten aber keine Chance. Billina, der in Wahrheit natürlich der gesuchte Trojacek war, schoss beiden in den Rücken, sie waren sofort tot. Jetzt setzte er auch Ehrenreich nach, hatte jedoch nicht mit zwei weiteren Streifenbeamten gerechnet, die sich vor dem Haus in Stellung gebracht hatten.

Von einem Schuss getroffen verschanzte er sich mit mehreren Gewehren im Obergeschoss. Mittlerweile war auch die Rettung eingetroffen. Als die Sanitäter Ehrenreich in den Wagen hievten, nahm Trojacek diesen ins Visier und feuerte 51 (!) Schüsse auf das Fahrzeug ab. Einer der Sanitäter wurde im Gesicht durch Splitter verletzt. Als die Gendarmerie mit weiterer Verstärkung anrückte, gab Trojacek endlich auf.

Beim Verhör – er wurde erst nach der stundenlangen Einvernahme ärztlich versorgt – gab er an, bereits 1977 einen Mann in Deutschland erschlagen zu haben. Er war daraufhin untergetaucht, hatte sich mit falschem Namen hier eingemietet und dachte, er sei aufgeflogen. In Wahrheit aber war die Polizei nur wegen eines Betrugsfalles vor Ort gewesen – von dem Mord wussten die Beamten gar nichts.

Trojacek wurde zu „Lebenslänglich“ verurteilt und beging im Gefängnis Selbstmord.

Info: Die dramatische Schießerei in Kindberg war hier nicht das einzige Gewaltverbrechen. Auch der Herzerlfresser von Kindberg trieb – 200 Jahre früher – sein Unwesen in dieser Gegend.

Text: Robert Preis | www.robertpreis.com

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