Foto: © Niki Schreinlechner | www.nikischreinlechner.at

Bruck an der Mur

Eine unappetitliche Praxis – Der zerteilte Leichnam des „Eisernen“

Die Stadtpfarrkirche von Bruck birgt einen unheimlichen „Schatz“. Als Herzog Ernst der Eiserne im Jahr 1424 starb, wurde sein Leichnam in der Stiftsbasilika von Rein beigesetzt, zuvor wurde er jedoch ausgeweidet und seine Innereien in der Stadtpfarrkirche bestattet. Dies bestätigt auch eine Inschrift, die heute noch in einer Marmortafel rechts des Hochaltars zu sehen ist. Sie besagt: „Hier liegen die Eingeweide des Herzogs Ernst – gest. 1424“.

Herzog Ernst der Eiserne ist nicht irgendwer in der Geschichte steirischer Herrscher. Immerhin begründete er, der 1377 in Bruck Geborene, die steirische Linie der Habsburger. Er galt als wahrer Herkules, mit 1,74 m Größe war er ein Hüne, der seine Rüstung kaum ablegte. In zweiter Ehe heiratete er die ebenfalls für ihre Stärke, Größe und Schönheit berühmte polnische Prinzessin Cymburgis.

Ernst führte später für sich den Namen „Erzherzog“ ein und herrschte über die Herzogtümer Steiermark, Kärnten und Krain, das spätere Innerösterreich. Er machte Bruck zwischenzeitlich zur Hauptstadt, war erfolgreich, gefürchtet und wurde geehrt. Als er – angeblich völlig unerwartet – aus dem Leben schied, herrschte ein regelrechtes G`riss um seinen Leichnam. Seine Gebeine wurden zwar im Stift Rein beigesetzt, weil er Bruck aber stets so zugetan war, schnitt man ihm Herz und Eingeweide heraus und bestattete diese in Bruck. Diese heute unappetitliche Praxis war damals durchaus üblich, sogenannte „Herzgrüfterl“ waren Gang und Gäbe.

Spätere Untersuchungen an Ernsts Leichnam ergaben aber, dass er zu Lebzeiten nicht ganz so glücklich gewesen sein kann. Der Mann muss fürchterliche Schmerzen gelitten haben, denn durch das ständige Reiten waren Knie und Oberschenkel völlig deformiert, so dass er ohne Krücken kaum gehen konnte. Außerdem wurden mehrere Eiterherde im Kiefer nachgewiesen, eine einfache Infektion dürfte also zu seinem Tod geführt haben.

Info: Die Stadtpfarrkirche befindet sich im Zentrum von Bruck/Mur. Adresse: Kirchplatz 1, 8600 Bruck an der Mur

Text: Robert Preis

Buchtitel: „111 schaurige Orte in der Steiermark die man gesehen haben muss!

Verlag: Emons