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Graz | Murgasse

Die Falle – So endete die Baumkirchner-Fehde

Bis vor 100 Jahren suchte ein Geist die Murgasse in Graz heim. Er tauchte unvermittelt auf, rollte mit den Augen und streckte den Leuten die Zunge entgegen. Und nicht nur das: Dieser Geist hielt seinen Schädel in der Hand hielt und streckte ihn den Leuten entgegen.

Das Treiben hatte seinen Ursprung im 15. Jahrhundert. Damals, im Jahr 1468, schlug sich Andreas Baumkirchner, einer der Heerführer Kaiser Friedrichs III., auf die Seite des Ungarnkönigs Matthias Corvinus. Grund dafür waren ausgebliebene Soldzahlungen des Kaisers.

Die Schlachten wogten hin und her ehe der Kaiser Baumkirchner zu Verhandlungen nach Graz einlud. Gemeinsam mit Andreas Greißenegg und seinem Schwiegersohn Hanns von Stubenberg ritt dieser also am 23. April 1471 nach Graz – ihm wurde freies Geleit bis zum Vesperläuten zugesagt. Doch die Verhandlungen zogen sich in die Länge. Als die drei die Falle bemerkten, war es zu spät. Mit dem Vesperläuten schlossen sich die Murtore, Henker, Priester und die Stadtwache traten vor. Baumkirchner soll dem Kaiser noch all seine Güter und 40.000 Dukaten angeboten haben, so schildert es der Historiker Johann Weichard von Valvasor rund hundert Jahre später. Doch „darum dass er wider sein oberstes Haupt sich empört hatte“, wurde Baumkirchner noch an Ort und Stelle enthauptet, ebenso wie Greißenegg. Nur Hanns von Stubenberg wurde begnadigt und in den Kerker geworfen.

Die Legende besagt, dass Baumkirchners Tochter Martha dem Vater gefolgt war. Sie tunkte ein Tuch in dessen Blut und schleuderte es einen Fluch aussprechend den Anwesenden entgegen. Bis ins 19. Jahrhundert soll jener Stein, der als Richtblock gedient hatte, in einem Haus nahe des Stadttors aufbewahrt worden sein. Rund um dieses Tor trieb Baumkirchners Seele mit dem Kopf im Arm ihr Unwesen. Seit das Tor abgerissen und auch das Haus mitsamt dem Stein verschwand, ist damit aber Schluss.

Info: Die Murgasse befindet sich zwischen Erzherzog-Johann-Brücke und Hauptpatz im Zentrum von Graz. Die beiden Murtore sind heute nicht mehr sichtbar.
Den Leichnam Baumkirchners wurde in der Marienkirche von Schlaining beigesetzt, jener von Greißenegg in der Franziskanerkirche. Hanns von Stubenberg war ein Jahr später freigelassen worden, allerdings aller Ämter enthoben und musste dem Kaiser beinah seinen gesamten Besitz überlassen.

Text: Robert Preis

Buchtitel: „111 schaurige Orte in der Steiermark die man gesehen haben muss!

Verlag: Emons