Foto: © Niki Schreinlechner | www.nikischreinlechner.at

Gratwein-Strassengel | Stift Rein

Das Skelett des Stifters – Vom Ursprung der Steiermark

Rund 15 Kilometer nördlich von Graz befindet sich das älteste Zisterzienserkloster der Welt, das Stift Rein. Hier ist ein Gymnasium untergebracht, eine beeindruckende Bibliothek und – eine offene Grabstelle. Im Marienkloster sind unter einem Glassturz die Gebeine des steirischen Markgrafen Leopold I. zu sehen.

Der makabre Fund wurde in den Jahren 2002 – 2007 bei Renovierungsarbeiten gemacht. Damals wurden Teile der romanischen Klosteranlage freigelegt, so etwa auch die gemauerten Sitzbänke des Kapitelsaales, auf denen die Mönche bereits vor mehr als 800 Jahren Platz genommen haben.

In der Mitte dieses Kapitelsaales fand sich ein gemauerter Grabschacht mit einem gut erhaltenen Skelett. Sowohl der anthropologische Befund als auch die Tatsache, dass es sich um eine Sekundärbestattung handelt, lassen vermuten, dass es sich um die im 13. Jahrhundert umgebetteten Gebeine des steirischen Markgrafen Leopold I. handelt.

Leopold I. verstarb im Gründungsjahr des Stiftes 1129 und dürfte ursprünglich wohl an anderer Stelle bestattet worden sein. Erst im 13. Jahrhundert wurde er hier im Kapitelsaal untergebracht.
Dass im Stift Rein seit dem Jahr 1129 Mönche leben und arbeiten, ist Leopold zu verdanken. Er stammte aus dem Geschlecht der Traungauer und war von 1122 bis 1129 Markgraf der Steiermark. Im Jahr 1122 hatte er Heinrich III., den Cousin seines Vaters beerbt, dadurch vereinte er die Region Murau, das Murtal bis Leoben, Bruck und Gösting, das Mürztal und das Mariazellerland sowie den gesamten Bezirk Voitsberg. Er errichtete in Hartberg außerdem die erste Pfalz im Land (königlichen Wohnsitz) und trieb die Gründung des Stiftes Rein voran. Die ersten Mönche kamen damals aus Franken. Leopold ist also nicht nur der Stifter des Klosters, seine Lebensgeschichte führt auch zurück in die Anfänge der Geschichte der gesamten Steiermark. Er gilt deshalb als Gründer der Steiermark.

Info: Im Stift Rein besteht die Möglichkeit am Chorgebet um 12 Uhr teilzunehmen. Es gibt täglich Führungen um 10:30 und 13:30 Uhr. Gruppen ab 15 Personen bekommen 365 Tage im Jahr einen eigenen Termin. Rein 1, A-8103 Gratwein-Straßengel

Text: Robert Preis | www.robertpreis.com

Buchtitel: „111 schaurige Orte in der Steiermark die man gesehen haben muss!

Verlag: Emons