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Graz | Innere Stadt

Der Schinaglgraben – Eine Geschichte des Galgenwalds

In Birkfeld sind drei im Wald schimmernde Steinsäulen stumme Zeugen einer düsteren Zeit. Damals war die Hügelkuppe, auf der dem Ort zugewandten Seite gerodet, so dass die Delinquenten freie Sicht auf die Kirche werfen konnten. Einen letzten, gottesfürchtigen Blick, ehe sich die Schlinge um den Hals zuzog.

Der Galgenwald in Birkfeld birgt bis heute so manche Geschichte und eine davon handelt von den schrecklichen Folgen eines Fehlurteils. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges war der Ort eine weithin bekannte Mautstelle. Eines Tages stolperte ein Landstreicher in den Ort und erregte den Unmut der Bevölkerung, denn zur selben Zeit verendete ein Stück Vieh und jemand wollte den Mann im Wald gesehen haben, wie er Beschwörungsformeln murmelnd im Kreis getanzt war.

Mehr brauchte es nicht. Der Vagabund wurde ins Schloss Birkenfeld gezerrt, verhört und sodann an ihm ein Exempel statuiert. Aus dem Bannbuch wurde ja nur einmal im Jahr vorgelesen, da konnte es nicht schaden, den Leuten in Erinnerung zu rufen, was es für Konsequenzen hatte, wenn man vom rechten Weg abkam. Der Landstreicher wurde zu den Galgen gezerrt, dort warf er der Kirche einen letzten Blick zu ehe sein Genick brach und das Seil um den Hals die Zunge hervorquellen ließ. Doch während sein Grauen endete, begann jenes der Birkfelder erst.

Die Henkersprozession hatte den Ort noch nicht wieder erreicht, setzte schon ein gewaltiges Unwetter ein. Brüllend und tobend brausten die Stürme über den Ort hinweg und Wassermassen schossen über den Berg. Ganze Hänge gerieten in Bewegung und rissen Scheunen und Häuser mit sich. Eine gewaltige Gerölllawine – fortan Schinaglgraben genannt – teilte den Ort und es war Jahrhunderte lang niemandem möglich hier zu bauen. Erst vor einigen Jahrzehnten gelang es, im Schinaglgraben einen Parkplatz zu errichten. Und so erinnern nur noch die Galgen an die schauerlich, rohe Gewalt vergangener Zeiten.

Info: Die Marktgemeinde Birkfeld in der Oststeiermark liegt im Zentrum des Oberen Feistritztales im Bezirk Weiz. Der Ort ist mit der Feistritztalbahn zu erreichen bzw. über dieB 72 oder den Feistritztal-Radweg R8. Die Galgen befinden sich unweit des Freibads.

Text: Robert Preis

Buchtitel: „111 schaurige Orte in der Steiermark die man gesehen haben muss!

Verlag: Emons