Foto: © Niki Schreinlechner | www.nikischreinlechner.at

Graz | Innere Stadt

Angst vor dem Wahrzeichen – Heute Sehenswürdigkeit, einst Berg des Schreckens

Die Erhebung im Zentrum von Graz gilt heute als Postkartenmotiv und ist Pflichtbesuch für Touristen. Vor 200 Jahren aber war der Schloßberg nur ein kahler Felsen auf dem sich die dicken Mauern einer romanischen Burganlage befanden. Diese Burg gab der Stadt auch ihren Namen, denn gradec bedeutet auf slowenisch „kleine Burg“. Und sie steht im Guinness Buch der Rekorde, denn sie wurde niemals erobert – überhaupt waren Napoleons Truppen 1809 die einzigen, die es ernsthaft versuchten, und dann eben scheiterten.

Was den Grazern aber noch viel mehr Angst machte, waren die Katakomben unter diesen Mauern. Tief in den Fels geschlagen befanden sich dort nämlich düstere Verliese – und die Geschichten, die aus jener Zeit bis heute erhalten sind, lassen einen schaudern.

Hier wurde im 18. Jahrhundert etwa Paul Reininger, der Herzerlfresser von Kindberg, gepeinigt. Von Joseph II. begnadigt, wurde der sechsfache Mörder an einer Eisenkette an die Gitter eines Käfigs gehängt. Alle drei Monate wurde er mit Stöcken geschlagen – nach zwei Jahren war er tot.

In den Kellergewölben des 1578 errichteten Schlosshauptmannshauses, die so groß waren , dass sie mit Fuhrwerken befahren werden konnten, soll auch Bischof Graf Nadasdy inhaftiert gewesen sein – 40 Jahre lang. Als er 1796 frei gelassen wurde, setzte er sich auf einen Stein am Schloßberg und starb – der Stein nahe des Chinesischen Pavillons heißt heute Bischofstuhl.

Vor allem zur Zeit der Gegenreformation war der Schloßberg voll von protestantischen Sympathisanten. Hier wurden bis ins 18. Jahrhundert vor allem politische und militärische Verbrecher unter heute unvorstellbaren Bedingungen gefangen gehalten, erst unter Maria Theresia wurden auch gemeine Schwerverbrecher in die Kasematten gesperrt. Nach der Schleifung des Schloßbergs durch die Franzosen im Jahr 1809 – er fiel durch einen Friedensvertrag an sie – wurden die Verbrecher in der Karlau untergebracht.

Info: Graz Tourismus bietet jeden Samstag von 17.30 bis 18 Uhr eine spezielle Schloßbergführung an. Auch die GrazGuides haben den Schloßberg in ihrem Programm

Text: Robert Preis | www.robertpreis.com

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