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Lebring

Grausiger Fund im E-Werk – Ein Aufsehen erregender Indizienprozess

Die Aufgabe des Rechenwärters im E-Werk Lebring ist es, den Rechen von Treibholz und sonstigem angeschwemmtem Unrat zu reinigen. Zu diesem Zweck lässt er immer seinen Greifer ins Wasser gleiten. Am 7. Mai 1956 starrt der Mann jedoch ungläubig auf die Greifarme. Da quillt eine Hand hervor, rutscht ab und fällt zurück ins Wasser.

Der Arbeiter lässt die Maschine noch einmal hinab ins Wasser fahren und wird den Anblick, der sich ihm nun darbot wohl nie wieder vergessen. Denn jetzt starrt ihn ein Schädel an, an dessen Hals noch ein Krawatte gebunden ist – der restliche Körper fehlt.

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Beschreibung des Opfers passt auf einen in Deutschfeistritz abgängigen Mann, den 69-jährigen Pensionisten Emmerich Ziegler. Dieser verließ am 6. Mai ein Gasthaus in angetrunkenem Zustand. Er wird von der Schwiegertochter, die seit dem Tod ihres Mannes im Weltkrieg bei ihm wohnt, identifiziert.

Die Ermittlungen dauern Monate, und während der Staatsanwalt von einem Unfall ausgeht, sammeln die Mordermittler weiterhin Indizien – und zwar gegen die Schwiegertochter und deren Lebensgefährten, einen Fleischer. Immer mehr Indizien werden gesammelt, die Gerichtsmediziner sind sich einig, und so kommt es tatsächlich zum Mordprozess in Graz. Hauptargument der Staatsanwaltschaft war damals der Umstand, dass die Schwiegertochter noch vor dem Auffinden der Leiche Trauerkleidung bestellt hatte. Außerdem war im Zimmer ihres Lebensgefährten eine blutgetränkte Leinenschürze sichergestellt worden. Überhaupt seien jede Menge Blutspuren zu finden gewesen. Kurzum: es stellte sich heraus, dass Ziegler erschlagen wurde und dann zerstückelt, regelrecht tranchiert.

Dennoch: Es gab weder ein Geständnis noch Beweise. Fazit: Am 5. Juni 1959 wurden die beiden freigesprochen. Die restlichen Leichenteile von Emmerich Ziegler wurden nie gefunden

Info: Lebring befindet sich im Bezirk Leibnitz. Zu jener Zeit gab es natürlich weder ein Murkraftwerk noch eines in Gössendorf. Leichenteile konnten also durchaus soweit gespült werden

Text: Robert Preis | www.robertpreis.com

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