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Graz | Karlau

Der größte Knast im Land – Die Karlau – vom Jagdschloss zum Hochsicherheitsgefängnis

Einige Streiflichter aus der Geschichte eines der wohl düstersten Gebäude des Landes – der Justizanstalt Graz-Karlau: Das ehemalige Jagdschloss von Erzherzog Karl II. wurde 1794 in ein Gefängnis für französische Kriegsgefangene und 1803 in ein Provenzialstrafhaus für männliche und weibliche Kriminelle aus dem Herzogtum Steiermark umgewandelt. Ab 1809 wurden auch die Schwerverbrecher der Schlossberg Kasematten hierher verlagert. Anfangs fasste der dreistöckige Bau 127 Insassen. Im Erdgeschoss befanden sich Verwaltungs- und Wohnräume für das Wachpersonal, im ersten Stock die Krankenzimmer, weitere Wohnungen und die Kapelle. Ganz oben waren die Insassen untergebracht – Frauen und Männer.

Die Sträflinge erhielten schon damals eine Anstaltskleidung und mussten all ihre Habseligkeiten abgeben. Sie schliefen auf Holzpritschen mit Strohsackmatratze, Strohpolster und Leintuch, wurden um 5 Uhr früh geweckt und gingen nach Gebet und Morgenwäsche zur Arbeit. Sie durften nur eine Stunde am Tag in einen Innenhof, um Bewegung zu machen. Um 20 Uhr endete der Tag mit der Nachtruhe. Doch der strikte Plan hatte seine Tücken: Das karge Essen, mangelhafte Hygiene und schlechte Luft führten rasch zu einem Anstieg von Krankheitsfällen. 1820 war bereits jeder fünfte Insasse erkrank. Jeder vierte davon starb an Lungenentzündung oder so genannter „Abzehrung“.

Mehr als hundert Jahre später – kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – unterrichtete der britische chief executioner Albert Pierrepoint die Justizbeamten im Umgang mit dem langen Galgen. Dieser führte zum schnelleren Tod als der in Österreich bis dahin übliche kurze Galgen, bei dem die Delinquenten qualvoll erstickten – allerdings wurde die Todesstrafe dann 1950 in Österreich ohnehin abgeschafft.

In den 90er Jahren beherbergte die Karlau so prominente Verbrecher wie Jack Unterweger, und Udo Proksch. Sie zählt zu den sichersten Gefängnissen Österreichs.

Info: Die Karlau befindet sich am Beginn der Triestersiedlung – eine Gemeindebau-Siedlung im Süden von Graz.

Text: Robert Preis | www.robertpreis.com

Buchtitel: „111 schaurige Orte in der Steiermark die man gesehen haben muss!

Verlag: Emons