Foto: © Niki Schreinlechner | www.nikischreinlechner.at

Gratkorn – Dult

Todesmarsch der Zwangsarbeiter – Tragisches Ende einer verzweifelten Flucht

Schon in der Schule hörte der Gratkorner Maximilian Tonsern vom Judengrab in der Dult. Ausgerechnet hier soll ein Verbrechen stattgefunden haben. Wo es doch so friedlich still ist in dieser Gegend. Nun, so war es nicht immer.
Frühling 1945: In beispielsloser Grausamkeit wurden Tausende jüdische Zwangsarbeiter aus Ungarn über Graz nach Norden getrieben. Dieser Todesmarsch entlang der Mur sollte für die meisten im niederösterreichischen KZ Mauthausen enden. Hier wurden sie in jene Gas-Duschen gesteckt, die bis heute für Entsetzen sorgen.

Doch schon während dieses Marsches kam es zu Gräueltaten, nur wenige versuchten zu fliehen. Wie etwa jene Gruppe von Todgeweihten, die in Gratkorn, einer Gemeinde im Norden von Graz, plötzlich auf und davon lief.

Zwanzig Männer scherten am 4. April 1945 aus der Marschgruppe von etwa 8000 Menschen aus und rannten um ihr Leben. 14 von ihnen wurden bald aufgegriffen und erschossen. Doch sechs Männer blieben unentdeckt – sie hetzten durch die Dult, eine Talsenke, die auf die Rannach führt, einem dem Grazer Hausberg Schöckl vorgelagerten Höhenzug. Doch die Männer müssen die Orientierung verloren haben, wie sonst ist zu erklären, dass sie wieder zurück liefen? Direkt in die Hände eines Trupps der SS Panzerdivision „Wiking“.

Für die Fliehenden gab es keine Rettung. Fünf von ihnen wurden erschossen und in einem unbekannten Massengrab verscharrt. Der sechste soll in einer Scheune stundenlang gefoltert worden sein ehe er starb. Das Ganze spielte sich nahe des Klosters Mariarast der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul ab, in der Juhatz-Kurve am Waldrand bevor sich das Tal öffnet.

Dass wir heute überhaupt davon wissen, ist eben jenem damals 24-jährigen FH-Studenten Tonsern zu verdanken, der im Zuge einer Projektarbeit im Jahr 2012 erstmals darüber berichtete. 2015 enthüllte die Gemeinde Gratkorn einen Gedenkstein für die unbekannten Opfer dieser Tat.

Text: Robert Preis | www.robertpreis.com

Buchtitel: „111 schaurige Orte in der Steiermark die man gesehen haben muss!

Verlag: Emons