Foto: © Niki Schreinlechner | www.nikischreinlechner.at

Geistthal | Buchhaus

Das unheimliche Haus – Die vielen Geschichten um das Amtshaus der Reiner Mönche

Im Zentrum der Ortschaft Geistthal ist das Buchhaus nicht zu übersehen. Ein wuchtiges Gebäude aus dem Jahre 1538, aus dessen Dachluke die verwitterten Köpfe zweier ausgestopfter Braunbären starren. Diese Präparate sind rund 170 Jahre alt und sollen die letzten erlegten Bären im Gleinalmgebiet sein.

Doch ums Buchhaus, das einst als Amtshaus der Reiner Mönche diente, und nun bereits seit Jahren von einem Kulturverein instand zu halten versucht wird, ranken sich noch ganz andere Legenden. Hier in den uralten Gemäuern mit dem meisterhaft verarbeiteten Dachstuhl und der Marmorsäule aus der provinzial-römischen Epoche (3. bis 5. Jd. n. Chr.) im Stiegenhaus befindet sich auch eine merkwürdige Holzplastik, die Heilige Kummernus (auch Kümmernis oder Wilgefortis genannt) – eine ans Kreuz geschlagene Frauengestalt mit starkem Bartwuchs. Um diese Figur rankt sich die Legende, dass sich einst ein wunderschönes Mädchen weigerte den Mann zu heiraten, den ihr der Vater zugedacht hatte. Sie lief in den Wald und bat Gott, Sie hässlich zu machen. Als der Vater den Bart sah, ließ er sie ans Kreuz schlagen.

Die seit dem 15. Jahrhundert verehrte von der Kirche aber niemals anerkannte Heiligenfigur, birgt noch eine weitere Legende. Ein bettelarmer Spielmann sei eines Tages gekommen und habe um eine Gabe gefleht. Da fiel der Figur ein goldener Schuh vom Fuß. Als der Mann das Pfand einlösen wollte, erkannten die Geistthaler sofort, woher der Schuh stammte und gedachten den Mann hinzurichten. Daraufhin fiel auch der zweite Schuh vor den Augen der Henker zu Boden. Die Figur des Spielmanns ist seit dem Jahr 1857 verschollen, die Heilige Kummernus befindet sich in einem kleinen Raum im ersten Stock. Ganz in der Nähe ist übrigens auch die Keichn, jene düstere Kammer, in der in den Hexeprozessen von 1686 bis 1688 mehr als 20 Personen bis zu ihrer Hinrichtung „untergebracht“ wurden.

Info: Das Buchhaus, das Haus Geistthal Nummer 7, ist nicht zu übersehen. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die spätgotische Kirche St. Jakob mit einem romanischen Karner, umgeben von einem malerischen Friedhof.

Text: Robert Preis | www.robertpreis.com

Buchtitel: „111 schaurige Orte in der Steiermark die man gesehen haben muss!

Verlag: Emons