Foto: Corinna Perchtold-Stefan
CORINNA PERCHTOLD STEFAN
Ich stamme aus Wolfsberg in Kärnten, bin aber vor 18 Jahren nach Graz gezogen, um dort zu studieren und dann in der Steiermark verblieben. 2015 habe ich mein Diplomstudium der Psychologie an der Karl-Franzens- Universität abgeschlossen, 2018 mein Doktorat der Naturwissenschaften, und seit 2024 bin ich Privatdozentin im Fachbereich Biologische Psychologie und erforsche, wie menschliche Verhaltensweisen mit Körper und Gehirn verknüpft sind. Ich mache also Forschung in einer Schnittstelle zwischen Biologie, Neurowissenschaften und Psychologie und widme mich seit ein paar Jahren vorallem der dunklen Seite des Menschen. Hierfür wurde mir im März 2025 vom Land Steiermark der Josef-Krainer Würdigungspreis für meine Leistungen auf dem Gebiet der Psychologie verliehen. Mittlerweile habe ich 63 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften und über 50 Vorträge auf wissenschaftlichen Konferenzen im In- und Ausland. Zusätzlich habe ich insgesamt 4 Monate Forschungsaufenthalt an der Universität Amsterdam in den Niederlanden verbraucht, um meine internationalen Forschungsnetzwerke zu stärken. Aktuell leite ich an der Uni Graz das Forschungsprojekt „Kreatives Böses denken – unterstützen – tun?“, gefördert vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF).
Ein Teil meiner Forschung beschäftigt sich mit malevolenter Kreativität –- dem Phänomen, dass kreative Ideen auch dazu eingesetzt werden, um anderen Menschen zu schaden. Extremfälle sind hier noch nie dagewesener Terrorismus, innovative Kriegsführung (mit Drohnen oder Fake News), oder auch originelle Verbrechen, bei denen die Täter*innen nie gefasst werden. Malevolente Kreativität gibt es aber auch im Alltag von uns allen, in Form von kreativen Lügen, originellem (Cyber)Mobbing oder Bullying, Rufschädigung, oder körperlicher Gewalt, die wenig Spuren hinterlässt. Aggression und Gewalt sind bereits extrem schädigend für uns Menschen und die Gesellschaft. wenn Aggression aber dann noch zusätzlich kreativ ist, kann sie nur schwer vorhergesehen und verhindert werden, was noch mehr Gefahrenpotenzial birgt. Es ist also wichtig herauszufinden, welche Menschen zu malevolenter Kreativität neigen, welche Lebensumstände und negative Umwelten malevolente Kreativität begünstigen (z.B. Ausschluss von sozialen Gruppen, Missbrauchserfahrungen, oder Einflüsse gewalttätiger Medien), und wie malevolente Kreativität im Gehirn entsteht, um schließlich etwas dagegen zu tun. Für meine Forschung untersuche eine Bandbreite von Menschen – von Studierenden über Personen der Allgemeinbevölkerung bis hin zu Kriminellen in Hochsicherheitsgefängnissen.
Mein zweiter Forschungsschwerpunkt ist das Thema True Crime, also warum wir Menschen uns so sehr für Geschichten wahrer Verbrechen interessieren und ob dies Auswirkungen auf unser Verhalten im Alltag haben kann. Forschung zum Konsum gewalttätiger Medien gibt es zwar seit Jahrzehnten, es herrscht aber immer noch Uneinigkeit darüber, ob gewalttätige Medien wirklich Gewaltbereitschaft fördern. True Crime ist hier ein besonderes Phänomen, denn die überwiegende Mehrheit der True Crime Fans sind Frauen (Zahlen von 75 bis zu 93%, je nach Studie), was stark vom grundsätzlich männlichem Interesse an Gewalt abweicht. Mein Ziel ist es, die vor allem weiblichen Motive hinter True Crime Konsum zu erforschen, aber auch Zusammenhänge von True Crime Konsum mit Sicherheitserleben, Persönlichkeit, Wohlbefinden, Empathie, oder auch malevolenter Kreativität. Kurz gesagt, welche Menschen werden von wahren Verbrechen angezogen und bleibt etwas vom „Bösen“ an uns hängen, wenn wir zu sehr in diese dunklen Welten eintauchen? Macht uns die ständige Beschäftigung mit dem Bösen ängstlicher, misstrauischer, und aggressiver im Alltag? Oder trainieren wir mit True Crime Welten unsere Fähigkeit, besser mit Angst und Stress im Alltag besser umzugehen? In einem vom Land Steiermark geförderten Forschungsprojekt (Laufzeit 2023-2024) habe ich auch erstmals in die Gehirne von True Crime Fans geschaut, um festzustellen, inwiefern sich diese von Nicht-Fans unterscheiden. Tatsächlich weisen die Gehirne von True Crime Fans im Ruhezustand besondere Verbindungen auf, die mit Wissensdurst, Neugier, Empathie und Perspektivenwechsel, aber auch kreativer Emotionsregulation zu tun haben. Das liefert nochmal spannende Erkenntnisse über Motive der Faszination für wahre Verbrechen.
FINE CRIME FESTIVAL 2025
27.06.2025 |18:00 UHR | „TRUE CRIME & HISTORY“
Styria Media Center – Foyer, Gadollaplatz 1, 8010 Graz
TICKET: € 20.-
Buchhandlung MORAWA MOSER – Am Eisernen Tor 1, 8010 Graz und an der Abendkasse